MESTLIN
Das Storchendorf
Mestlin vermisst ein Jungtier. Von drei
kleinen Vögeln sind definitiv nur noch zwei im
Nest. Dass zeitgleich mit dem Verschwinden
des kleinen Langschnabels Mestliner Bürger
in der Nähe Jugendliche mit einem Luftgewehr
beobachteten, lässt ausgerechnet
im offiziellen
Storchendorf einen schlimmen Verdacht
aufkeimen. Ohnehin scheint die Population
stark zurückzugehen. Zogen die majestätischen
Vögel 1994 noch 20 Junge auf, wären es in
diesem Jahr sechs gewesen.
Konkret sei es am Nest bei der Bäckerei Melchert zu
so einem Vorfall gekommen. In der
Tat waren dort zunächst drei Jungstörche
geschlüpft. Das bestätigen mehrere Einwohner.
Eines der Tiere soll vor einigen Tagen
leblos am Nestrand gelegen haben. „Der Flügel
hing runter“, beobachtete Manfred Melchert.
Am nächsten Tag war der Vogel nicht
mehr zu sehen. Die Suche am Boden blieb
erfolglos – und der Jungstorch verschwunden.
Um auszuschließen, ob das Tier vielleicht
doch noch im Nest liegen würde, hätte man
hoch hinauf müssen. Bürgermeister
Uwe Schultze schaltete das Ordnungsamt des
Amtes Goldberg-Mildenitz ein. Das
übergab die Angelegenheit an Thomas Möser
von der Unteren Naturschutzbehörde in
der Kreisverwaltung. Dieser wiederum leitete
die Sache weiter an den Storchenbeauftragten
Konrad Peßner...
Unsere Zeitung konnte nun gestern mit Hilfe
des Leitenden Verwaltungsbeamten und
Leiters des Ordnungsamtes Goldberg-Mildenitz
Marko Kinski , der die
amtseigene Hubbühne organisierte, einen
Blick ins Nest werfen – aus sicherer Distanz
wohlgemerkt. „Wäre man dichter
herangefahren, hätte das die anderen Jungvögel
beunruhigt, und die noch nicht
ganz flugfähigen Vögel hätten vor Aufregung
das Nest verlassen“, meinte der Storchenbeauftragte
Konrad Peßner. Der Blick ins Nest bestätigte
die Befürchtungen der Mestliner: Der dritte
Vogel ist verschwunden. Auch wenn nun
klar ist, dass kein Kadaver im Nest liegt,
bleibt unklar, wie das dritte Junge verschwand.
„Es kann durchaus sein, dass ein Adler sich
des Tieres annahm, denn die gibt es in der
hiesigen Region und die fressen auch Aas.
Eine andere Erklärung habe
ich nicht. Wäre
es runter gefallen
und dort von einem Tier weggeschleppt worden,
hätte man Spuren gefunden“, meinte Peßner.
Michael-Günther Bölsche
