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Wie die Mestliner Kirche zu ihrer Orgel kam
Die
Mestliner Orgelbis zum Jahre 2002 nur als Fragment

September 2001
Orgel aus Niederlanden* erklingt bald in Mestlin
*[Niederländischer
Organistenverein: http://www.hetorgel.nl
(Links Germany)]
Mestlin.
Während die Mestliner Kirche in der zurückliegenden Zeit zu einem kleinen
Konzertsaal avancierte, gab es zu den Gottesdiensten und anderen kirchlichen Anlässen
nur Musik von einem Pedalharmonium. Echte Orgelmusik war seit Jahren nicht mehr
in dem Gotteshaus zu hören und die meisten Einwohner können sich gar nicht
mehr an die Orgel erinnern.
Oben auf der Empore stehen noch die Fragmente des alten Instrumentes aus dem
Jahre 1855. "Das sind der Orgelkörper und einige Pfeifen", so Propst
Jens Krause. Aus der Kirchenchronik geht hervor, dass bis zum Mai 1945
Orgelmusik erklang. Aber gleich nach dem Krieg wurde die Königin der
Instrumente zerstört. Dabei wies die Mestliner Orgel eine Besonderheit auf.
"Sie stammt vermutlich aus Dobbertin und ist eigentlich aus einer anderen
Orgel entstanden", führt der Propst weiter aus.
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| Propst Jens Krause und die
Orgelfragmente |
Bis auf den
heutigen Tag musste das besagte Pedalharmonium als Ersatz herhalten. Pastor
Friedrich Heise, Ruth Ortmann und viele Orgelspieler aus der Umgebung haben es
in der Vergangenheit zu den kirchlichen Anlässen bedient. Nun hoffen nicht nur
die Kirchgemeindeglieder darauf, bald wieder echte Orgelmusik in ihrer Kirche hören
zu können.
Seit 1993, als Jens Krause nach Mestlin kam, war er auch auf der Suche nach
einem entsprechenden Instrument. Doch es gab finanzielle Grenzen... Dank der
Initiative des Kantors Gerrit de Vries aus der niederländischen Partnergemeinde
Sexbierum soll dieser Traum nun Wirklichkeit werden.
Seit Ende der achtziger Jahre besteht eine Partnerschaft zwischen den Mestlinern
und den Niederländern. Die Orgel war immer wieder ein
Gesprächsthema. Als Anfang des Jahres das Telefon bei Propst Krause klingelte,
ahnte er die frohe Botschaft nicht: Die Niederländer hatten eine Orgel für
Mestlin aufgetrieben, dazu völlig kostenlos inklusive Transport. Diese wurde
aus einer dortigen Kirche ausgebaut und stehe zur Verfügung.
Sofort begannen die Aktivitäten in Mestlin. Da ist Geld für den Um- und Einbau
der Orgel aufzutreiben, Genehmigungen der Behörden und der Landeskirche sind
einzuholen... Rund 35.000 Mark (rund 17.895 €) werden jetzt benötigt, sagt Propst Krause und
rief umgehend zu Spenden auf. Erfreut sind die Mestliner über die ersten
Reaktionen. So hat die Gemeindevertretung beschlossen, einen Zuschuss zu geben
und erste Spenden von Einzelpersonen sind ebenfalls bereits eingetroffen.
"Rund ein Zehntel der Summe haben wir in ganz kurzer Zeit zusammenbekommen.
Wir hoffen auf weitere Spenden", so, Propst Krause.
Nähere Informationen und das Spendenkonto sind unter der Rufnummer 038 727 - 81
584 in Mestlin bei der Kirche erhältlich.
Michael-Günther Bölsche
aus der
Schweriner
Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim vom 15.09.2001
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Dezember 2001
Auktion für
die künftige Orgel
Am
Sonnabend (15.12.2001) soll eine große Auktion
für die Mestliner Orgel stattfinden. "Der Traum von einer neuen Orgel wird
Wirklichkeit, wenn sich möglichst viele an der Auktion
beteiligen", so der Propst. Unter den Hammer soll
alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Eigene Handarbeiten, Werkzeug,
Kleidung, Bilder einfach alles, was andere gebrauchen könnten. Nur heil
und funktionstüchtig muss alles sein.
Um diese Gegenstände rechtzeitig unter den Hammer kommen zu lassen, werden
bereits am Sonnabend (08.12.) Mitglieder der
Kirchgemeinde von Haus zu Haus gehen und die Dinge einsammeln. Bis dahin
sollten auf den Böden und in Kellern noch einmal nach Dingen geschaut
werden, die dort lagern und anderen nützen könnten.
Die Auktion
startete am Sonnabend, dem 15. Dezember
2001, um 17
Uhr im Kulturhaus Mestlin.

gespannt warteten die Besucher auf die
Angebote

Propst Jens Krause eröffnet die Auktion - Jochen Fahr bietet
mit viel Witz und Humor die Gegenstände feil
Insgesamt wurden an diesem Abend, inklusive Verkauf von Glühwein und
Schmalzstullen, 2.947,57 Mark
(1.507,07 €)
eingenommen. Ein tolles Ergebnis wofür die Kirchgemeinde allen beteiligten
Akteuren, allen voran Uta Krause, Hanni Seidel, Paul Witt und Jochen Fahr,
großen Dank sagen.
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September 2002
Wo die Königin der Instrumente
wieder aufpoliert wird
Niederländische und deutsche Kirchgemeinden besuchten Orgelwerkstatt in
Plau

Mestlin /
Plau am See. Die Mestliner Kirchgemeinde hatte vom
27. bis 29.September Besuch aus ihrer Partnergemeinde Sexbierum in den
Niederlanden. Seit Jahren bestehen zwischen beiden Gemeinden intensive Kontakte.
Das Besondere: Die niederländische Kirchgemeinde spendierte den Mestlinern eine
Orgel. Damit soll nach fast 60 Jahren wieder der Klang der Königin der
Instrumente in der Kirche zu hören sein.
Seit Mitte der achtziger Jahre bestehen die Kontakte zwischen den beiden
Gemeinden. Währen zu DDR-Zeiten keine Besuche in den Niederlanden möglich waren,
finden seit dem Fall der Mauer nun gegenseitige Besuche im jährlichen Wechsel
statt. Zwischen den Gemeindegliedern haben sich auch persönliche Beziehungen
entwickelt und so kommt es auch „zwischen den Jahren" zu Treffs. „Es gibt Leute
aus Sexbierum, die hier Urlaub machen oder mal so vorbeischauen auf der
Durchreise", so der Mestliner Propst Jens Krause.
Bisheriger Höhepunkt der Partnerschaft war die Spende einer Orgel. „In der Nähe
von Sexbierum gab es ein Dorf mit zwei Kirchgemeinden und zwei Kirchen. Diese
beiden Kirchen haben sich zusammengeschlossen und eine Kirche ist abgerissen
worden. Daraus stammt diese Orgel", so der Kantor und Mitinitiator der
Orgelspende aus Sexbierum, Gerrit de Vries. Das Mestliner Kirchgebäude ist für
die Orgel nach Meinung von de Vries sogar besser geeignet als der bisherige
Standort. „Die alte Kirche war zu klein, hier ist mehr Raum und eine
fantastische Akustik", so der holländische Kantor. Er plant auch, im kommenden
Frühjahr das Einweihungskonzert an der Mestliner Orgel zu geben. „Ein wenig Bach
und Mendelsohn-Bartholdy werde ich spielen". Und bis dahin ist die Neugier doch
ganz groß und so wird de Vries auch zwischendurch öfter mal in Mestlin zu sehen
sein, wenn die Orgel eingebaut wird. Ein wenig muss der Start aber noch auf Eis
gelegt werden, denn die kirchliche Behörde prüft derzeit alle Unterlagen und
Kostenvoranschläge. Propst Jens Krause hofft aber auf baldigen Beginn. „Wir
haben zwar die Orgel geschenkt bekommen, aber die Kosten des Transports und des
Aufbaus wurden durch Sponsoren, Spenden und durch zwei Auktionen finanziert. Ein
paar Euros fehlen noch, daher sind weitere Spenden sehr willkommen. Und wenn die
Genehmigung komplett ist, dann beginnt der Aufbau", so Propst Krause.
Zum umfangreichen Besuchsprogramm der Partnergemeinde in Mestlin und Umgebung
gehörte auch der Besuch der „Mecklenburger Orgelbau Wolfgang Nußbücker". Diese
Firma, sie arbeitet gerade an einer Rekonstruktion einer Orgel aus Lübtheen mit
22 Registern aus dem Jahre 1822, soll auch den Einbau der Mestliner Orgel
übernehmen.
Die Plauer Firma „Mecklenburger Orgelbau Wolfgang Nußbücker" wurde 1966 von
Wolfgang Nußbücker gegründet und 1991 in den heutigen Namen umbenannt. Seit 1999
leitet der Schwiegersohn Andreas Arnold den Betrieb, dem zehn Mitarbeiter
angehören. Es ist eine von insgesamt drei Betrieben dieser Art in
Mecklenburg-Vorpommern.

Die Orgel aus den Niederlanden ist von der Grundsubstanz her sehr solide. Sie
hat zwei Manuale, ein Pedal und zwölf Register. Es wird auch nach Angaben des
Orgelbaumeisters Andreas Arnold keine Schwierigkeiten beim Einbau in die
Mestliner Kirche geben. „Spannend wird allerdings der bevorstehende Umbau, damit
das Instrument in der Kirche eine gute optische und klangliche Abstrahlung hat",
so der Orgelbaumeister. Während das Optische im Wesentlichen bleiben wird, muss
die Technik und damit die klangliche Abstrahlung etwas verändert werden. Der
bisherige Standort in Holland hat ja eine ganz andere Räumlichkeit als in
Mestlin besessen und so muss der Klang an die Mestliner Kirchenverhältnisse
angepasst werden, damit die Königin der Instrumente ihre ganze Kraft entfalten
kann.
Michael-Günther Bölsche
Die Fotos zeigen Impressionen vom
Besuch der Partnergemeinde aus Sexbierum (NL) und der Mestliner Gastgeber in der
Werkstatt der "Mecklenburger Orgelbau Wolfgang Nußbücker in Plau am See
(Fotos: Bölsche)
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März 2003
Pfeifentöne
mit moderner Technik "ferngesteuert"
Orgelumbau in der Mestliner Kirche geht zügig voran
Mestlin. In der
Mestliner Kirche gehen die Arbeiten am Orgeleinbau zügig voran. Noch in diesem
Halbjahr soll die Königin der Instrumente nach fast 60 Jahren Pause erklingen.
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Orgelbaumeister
Wolfgang Nußbücker
baut
persönlich die Orgel
in Mestlin ein
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Der neue Prospekt
der Mestliner Orgel |
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Wolfgang Nußbücker
(rechts)
und Bernd Leppin
beim Einbau der Orgel |
"Wir
werden es wohl kaum bis Ostern schaffen, es ist eben doch schwieriger als
gedacht", so Orgelbaumeister Wolfgang Nußbücker. In der kalten Kirche kann man
nur stundenweise arbeiten und außerdem ist eine "Umsetzung" sehr kompliziert.
Diese Orgel stand zuvor in einer holländischen Kirche und ist ein Geschenk der
Kirchgemeinde Sexbierum. Aus Platzgründen muss die Königin der Instrumente hier
völlig neu aufgebaut und dabei stark verändert werden.
"In Holland stand sie auf der dortigen Empore etwas anders. Hier sind die
Windlader nicht mehr neben- , sondern übereinander angeordnet und der Prospekt
musste völlig neu aufgebaut und in die Höhe gezogen werden", erläutert Wolfgang
Nußbücker. Eigentlich ist er seit 1999 bereits im Ruhestand, doch "ich muss noch
etwas tun, sonst roste ich ein", lautet seine Devise und so hilft er seinem
Nachfolger und Schwiegersohn Andreas Arnold wo er kann. Außerdem reizt ihn
dieser Aufbau, denn es handelt sich um keinen üblichen Aufbau. Der Spieltisch
mit zwei Manualen und einem Pedal sowie der Bedienung der elf Register, befindet
sich einige Meter neben dem Prospekt, wie die Orgelfront genannt wird. Mehrere
Kabelstränge mit insgesamt rund 250 Adern verbindet diesen mit dem
Musikinstrument. "Die Anordnung ist eigentlich für unser Land eher untypisch und
wenig verbreitet", so Nußbücker.
Gemeinsam
mit Orgelbauer Bernd Leppin sortiert er alte und neue Teile und setzt diese wie
bei einem Puzzle zusammen. Doch bis zu der ersten
Klangprobe der bis zu 2,50 Meter hohen Pfeifen müssen sich
die Musikliebhaber noch ein wenig gedulden.
Michael-Günther Bölsche
aus der
Schweriner
Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim vom
21.03.2003
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