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Ausgewählte Presseartikel zum Verein "Denkmal Kultur Mestlin" e.V.
zum Erhalt des Gebäudeensembles rund um das Mestliner Kulturhaus
(bitte scrollen: der aktuellste Artikel steht am Ende)

entnommen der Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim vom 16.02.2008

Das Mestliner „Herz“ soll leben
Bürgerinitiative will den Dorfkern wieder beleben / Ideen und Mitstreiter gesucht

Auf der Gemeindevertretersitzung in Mestlin stellten sich Einwohner vor, die sich für eine Wiederbelebung des Dorfkernes – insbesondere des Marx-Engels-Platzes – in der Gemeinde einsetzen. Eine Bürgerinitiative will neue Ideen und Wege für die Nutzung suchen.

Mestlin Das einstige Mestliner Kulturhaus ist das größte leerstehende Gebäude inmitten des ehemaligen sozialistischen Musterdorfes. Dazu gesellen sich das ehemalige Pflegeheim gegenüber sowie weitere leerstehende Räumlichkeiten rund um den Marx-Engels-Platz. Alles macht einen tristen Eindruck und verfällt von Jahr zu Jahr stückweise.
Diesem Zustand nun Einhalt zu gebieten, haben sich einige Einwohner der Gemeinde zur Aufgabe gemacht und wollen im Rahmen einer Bürgerinitiative weitere Mitstreiter für ihre Ideen gewinnen.
Auf der Gemeindevertretung in dieser Woche stellte Peter Enterlein im Namen von etwa 20 Mitstreitern die Grundideen vor (SVZ berichtete). So soll es nicht nur um das Kulturhaus gehen, „wir wollen das Ensemble als Komplettbereich nutzen. Kulturhaus, Pflegeheim, Schule usw. müssen in einer Einheit gesehen werden“, so Enterlein. Die Gruppe sieht eine realistische Chance der Wiederbelebung des Dorfkernes nur in einer überregionalen Nutzung und will auch die Ergebnisse bisheriger Versuche einbeziehen und etwaige Fehler nicht wiederholen. „Über Mestlin schwebt eine große schwarze Wolke und das Dorf hat kein Herz, dem wollen wir optimistisch entgegenwirken und es wieder zum Leben bringen“, so Enterlein.
Trotz gesunder Skepsis soll Optimismus überwiegen Eine Arbeitsgruppe soll nun gebildet werden, in der Vertreter der Gemeindevertretung und interessierte Einwohner mitarbeiten. „Jeder, der an der eigenen und an der Zukunft des Dorfes interessiert ist, müsste mobilisiert sein. Optimismus ist in diesem Projekt die notwendige Lebenseinstellung“, so Enterlein. Er bat die Gemeindevertreter, die geplante Versteigerung des ehemaligen Pflegeheimes zurückzustellen, da sonst das Projekt als Ganzes gefährdet sei.
Im nichtöffentlichen Teil sprachen sich die Gemeindevertreter dann auch einstimmig für diese Rückstellung aus. Verena Nörenberg-Kolbow und Bürgermeister Uwe Schultze finden die Initiative gut und dass es durchaus einen Versuch wert sei. Auch Bernd Jörs schloss sich dieser Meinung an, meinte aber, dass er dennoch skeptisch sei und verwies darauf, dass sich Bund, Land und Landkreis in jeder Hinsicht, vor allem finanziell, mehr engagieren müssten.
In naher Zukunft wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative nun ihre Vorstellungen und ihre ersten Maßnahmen, wie die Kontaktsuche zu möglichen Unterstützern, Förderern und Sponsoren, im Rahmen einer Einwohnerversammlung vorstellen und für ihr Projekt die Werbetrommel rühren.
Michael-Günther Bölsche

entnommen der Schweriner Volkszeitung, Lokalausgabe Parchim vom 10.03.2008

Neuer Lichtblick
Bürgerinitiative will Kulturhaus retten

MESTLIN - Die kürzlich in Mestlin aus der Taufe gehobene Bürgerinitiative zum Erhalt des Gebäudeensembles rund um das Mestliner Kulturhaus hatte am Wochenende erstmals eingeladen. Etliche Einwohner und Interessenten aus der Region waren gekommen. Und staunten zunächst nicht schlecht: Die Kulturhaus-Außenfassade, effektvoll in Licht getaucht, wirkte fast ein wenig herrschaftlich. Mit Hilfe eines Beamers wurde im Foyer sogar das übermalte Wandbild von Vera Kopetz an alter Stelle vorübergehend wieder sichtbar gemacht. Peter Enterlein warb um Unterstützung, damit der weitere Verfall des unter Denkmalschutz stehenden Ensembles aufgehalten werden könne. "Vor uns liegt ein langer Weg, der viel Kreativität benötigt. Dazu brauchen wir viele Mitstreiter", so Enterlein.
Dr. Ingo Waszerka wagte einen Blick in die fernere Zukunft. Kulturelle Veranstaltungen unterschiedlichen Genres, generationsübergreifende Projekte, Arbeitsgemeinschaften und Dorftheater könnten Leben in die leerstehenden Gemäuer bringen. "Das Haus muss überregional nutzbar sein. Wir wollen als Bürgerinitiative Aktivitäten entwickeln. Dazu bedarf es aber mehr Engagements offizieller Stellen, denn ein Denkmalschutz ohne finanzielle Unterstützung kann auch ein Fluch sein", meinte Dr. Waszerka. Bevor die Schweriner Gruppe "Commerzinis" aufspielte, ging es mit Taschenlampen "bewaffnet" auf Erkundungstour vom Dach bis zum Keller.

entnommen der Schweriner Volkszeitung, vom 11.07.2009, von Holger Kankel

Aus dem Palast - in den Palast
Ausstellung "LückenStücke" füllt Kulturhaus Mestlin mit alter und neuer Kunst

Sie fristeten ein liebloses Dasein in dunklen Depots. Nun sind sie seit heute in Mestlin bei Goldberg wieder zu sehen – heimatlose Bilder, die früher im Palast der Republik hingen.
Gemeinsam mit jüngerer Kunst, haben die 25 Gemälde und Grafiken ein vorübergehendes Exil im sonst leeren Kulturhaus gefunden. „LückenStücke – Palastkunst im Musterdorf“ ist der Titel der Ausstellung.

Von allen guten Geistern verlassen. Das trifft es vielleicht am besten. Das Mestliner Kulturhaus war von allen guten Geistern verlassen. Nach 1989 dröhnten in dem neoklassizistischem Gebäude zwar noch eine zeitlang Diskobässe. Doch 1996 kehrte dann endgültig jene gespenstische Stille in den Herzbau des bis 1957 errichteten einzigen Musterdorfes der DDR ein. Vorbei mit Stadt und Land und Hand in Hand, mit Kunst und Theater, mit Milchbar und Bowling. Jede Wette, den Mestliner Palast hätte das Schicksal seines größeren und berühmteren Kollegen an der Spree ereilt, wenn Mestlin und das Land drum rum nicht gar so arm gewesen wären.
So konnten einige engagierte Mestliner in wechselnden Vereinen mit Hammer und Pinsel und jeder Menge Flausen im Kopf damit beginnen, das denkmalgeschützte Haus zu sanieren, erste kleine Ausstellungen zu veranstalten und ansonsten zu träumen, zu träumen, zu träumen.
Wie das oft so geht: Träumer ziehen Ideen magisch an und umgekehrt. Und so klopfte eines Tages bei Peter Enterlein und seinen Mitstreitern vom Verein „Denkmal Kultur Mestlin e.V.“ die Berliner Kuratorin Dr. Christina Thomson an, auf der Suche nach einem Projekt für ihre 15 Studenten vom Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität. Sie sollten lernen, eine Ausstellung zu organisieren – Konzept, Ausstellungsflächen, Künstlerinterviews, Öffentlichkeitsarbeit, das Hängen der Bilder, das ganze kuratorische Handwerk.

Und so wuchs zusammen, was gut zusammengehören konnte. Die Mestliner hatten Räume, also Galerien en masse. Die Studenten studentischen Enthusiasmus, die Ideen und bald auch die Bilder. Hier ein leeres Kulturhaus, dort ein abgerissener Palast, dessen Kunst in irgendwelchen Depots wartete. „Es ist einfach unglaublich, was das Humboldt-Team in nur acht Wochen auf die Beine gestellt hat“, freute sich Projektleiterin Thomson.
Das Ergebnis ist seit heute in Mestlin zu sehen: Die Bilder alter Bekannter wie die Warnow-Werft von Rudolf Austen oder die blühenden Kirschbäume Wolfgang Wegeners, Gemälde und Grafiken von Walter Womacka, Harald Metzkes, Fritz Cremer oder Lea Grundig. Zugleich ließen sich sieben zeitgenössische Künstler von kulturellen Leerstellen und Reststücken inspirieren, die nach 1989 übrig blieben. Fotografien von Thomas Kemnitz, die in Mestlin entstanden, und Dokumentationen erzählen von der Geschichte des Kulturhauses im Mecklenburgischen und dem Kulturpalast an der Spree.
Den „Gelernten“ mag zuweilen in Mestlin ein unwirkliches, gespenstisches Gefühl beschleichen, wenn Erinnerungen auf Vergessenes treffen.
Die Studentin Elisa Dierson beschreibt ihren Umgang mit den Leerstellen der Geschichte, ihr Rezept gegen Glorifizierung oder Verdrängung so: „Wir gestalten die deutsche Erinnerungskultur mit. Das ist konstruktiv und bringt viel mehr als Gleichgültigkeit und Zerstörung!“

Es wäre wohl ein Wunder, sollte das Mestliner Kulturhaus strahlend auferstehen. Die Ausstellung „LückenStücke“ jedenfalls ist mehr als ein vorsichtiger erster Schritt und ein Beispiel dafür, wie es gelingen könnte, sie hinter dem Ofen hervorzulocken, die guten Geister.

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